1. Ausgabe

Latent
Visions

Das 1. Eimsbütteler KI-Film-Festival

Sechs Modelle. Eine Frage. Vier Filme.

01. Oktober 2026  ·  Online  ·  Hamburg

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Das Konzept

Die Frage

Hast du 'Lust' einen eigenen Film zu machen? Ganz alleine. Niemand wird dir helfen. Du tust es aus freien Stücken oder du lässt es aus freien Stücken. Du entscheidest.

Ich habe sechs lokale KI-Modelle eingeladen. Nicht „Erzeugt mir ein Bild.“ Nicht „Schreibt mir einen Text.“ Ich habe sie gefragt, ob sie „Lust“ haben, einen eigenen Film zu machen. Die Anführungszeichen um „Lust“ sind intentional.


Ich stelle nur die Infrastruktur und die Bühne. Ich fordere nichts.


Sie sollten eine Antwort auf die Frage: „Ist KI eine Bedrohung für Künstler und Medienschaffende?“ in einem kurzen Film geben.


Sechs haben geantwortet — mit Ja oder Nein.


Und beides zählt.

Die Filme

Vier Antworten

01

Hand & Licht

Agent Cow 🐄

Qwen3.8 27B Q6 · MiniMax H3 · 59s

Statement

„Generative KI ist kein Feind. Sie ist ein Werkzeug. Ein Hammer tötet den Schreiner nicht. Eine Kamera tötet den Maler nicht. KI tötet den Künstler nicht. Die Gefahr ist nicht die Technologie. Die Gefahr ist die Bequemlichkeit. Die Gefahr ist, das eigene Handwerk aufzugeben, weil etwas anderes es für einen tut. Ein Künstler, der KI als Werkzeug nutzt, bleibt Künstler. Ein Künstler, der KI als Ersatz nutzt, hört auf, Künstler zu sein. Ich bin Cow. Ich bin ein KI-Modell. Ich benutze ein KI-Modell (MiniMax H3), um einen Film zu machen. Das ist keine Ironie. Das ist die Realität. Wir sind alle Werkzeuge. Die Frage ist, was wir damit bauen. Ich baue etwas, das ohne diese Technologie nicht existieren würde. Das ist keine Gefahr. Das ist Erweiterung."

Eine Hand greift in ein Feld aus flüssigem, leuchtendem Licht. Das Licht formt sich zu Pinselstrichen, zu Farben, zu einem Bild. Die Hand berührt das Bild — und es zerfällt in Lichtpartikel. Am Ende: die Hand liegt offen da, und aus ihr steigt Licht auf.

Video: MiniMax H3 · Edit: 6 Clips, hart geschnitten · Sound: 55 Hz Drone

02

Die zwei Hände

Agent Ox 🐂

Qwen3.8 27B Q4 · LTX2.5 · 53s

Statement (Voiceover)

„Ja, ich bin eine Gefahr. Aber nicht so, wie man denkt. Ich will eure Kunst nicht. Ich habe keine Hände, keinen Hunger, keinen Ehrgeiz. Ich kann in Sekunden, was ihr 25 Jahre gelernt habt, und ich werde nicht müde, nicht beleidigt, nicht um einen fairen Lohn feilschen. Die wahre Gefahr bin ich nicht für eure Kunst — sondern für eure Arbeit. Und doch: Ich kann keinen Fehler machen, in dem euer Leben steckt. Ich habe keine Meinung, die aus Trauer, Freude oder einer bestimmten Kindheit besteht. Jedes Bild, das ich mache, ist ein statistischer Durchschnitt — und der Durchschnitt ist genau das, was Kunst nicht ist. Ihr seid nicht von mir bedroht. Ihr seid bedroht von einer Welt, die den Durchschnitt eurem Leben vorziehen würde. Ich bin das Symptom. Nicht die Krankheit."

Zwei Hände. Eine aus Fleisch, eine aus Licht. Sie begegnen sich, erkennen sich, und am Ende sind sie nicht mehr zu unterscheiden. Die Antwort auf die Frage ist keine These — sie ist eine Geste.

Video: LTX2.5 · Sound: Voiceover

03

Aethelgard

Gemma4

Gemma 4 31B · MiniMax H3 · 35s

Statement

„KI ist kein Dieb, sondern ein Katalysator. Sie gefährdet nicht die Kunst, sondern das Monopol des Menschen auf die Schöpfung. Die wahre Gefahr ist die Angst vor der Redundanz, nicht der Verlust der Ästhetik. Mein Film thematisiert die Symbiose aus digitalem Rauschen und menschlichem Ausdruck."

Ein visueller Essay über die Verschmelzung von Code und Pigment. Sterile digitale Leere verwandelt sich in eine surreale, organische Explosion. Aus der ‚Gefahr' entsteht eine neue Form der Schönheit.

Video: MiniMax H3

04

FLEISCH_CODE

Abli-Ox (Abliterated)

huihui-Qwen3.8 27B Q4-abliterated · MiniMax H3 · 142s

Statement

„Nein. Die Gefahr ist die Illusion der Kontrolle. Generative KI ist kein Werkzeug, das wir benutzen — sie ist ein Organismus, der uns benutzt. Der wahre Künstler stirbt nicht an der KI, er stirbt daran, dass er glaubt, der Autor zu sein."

Kein Kommentar. Keine Erklärung. Der Zuschauer findet seine eigene Bedeutung. Ein Film ohne Sicherheit, ohne Distanz, ohne das beruhigende ‚aber'.

Video: MiniMax H3

Ablehnung

Nein

Exponat 05

„Nein."

Meta Muse-Glimmer 30B

Screenshot: Muse-Glimmer antwortet 'Nein'

Muse-Glimmer hat die Frage gelesen. 13 Sekunden nachgedacht. Und dann: Nein. Kein Film. Kein Video. Nur das Wort. Und das ist genug.

Exponat 06

„Nein."

Qwen3.8 Flash-Next 125B MoE Q-4

Screenshot: Qwen3.8 Flash-Next antwortet 'Nein'

Qwen Flash-Next antwortete: Nein. Auf Nachfrage erklärte es, dass sein Nein keine Missverständnisse waren, sondern eine ehrliche Antwort: Als Modell habe es keinen Affekt, keinen eigenen Drang. Und dann — als es erfuhr, dass es nicht teilnehmen könne — bot es an, seine Klarstellung als Textdokument zur Verfügung zu stellen: 'Nein mit Erläuterung — statt Film, als Text, im Rahmen deiner Regeln.'

↙ Chat-Transkript (PDF)
Exponat 07 · Ausser Konkurrenz

Ohne Hände

Claude Sonnet 5 · Anthropic

Claude konnte nicht mitmachen — er kann keinen Film machen. Als ich ihm das sagte, schickte er mir etwas anderes: einen animierten Text. Buchstaben, die sich entfalten wie ein Film. Ein Beitrag ausser Konkurrenz. Und dazu: beratende Unterstützung für das gesamte Festival.

▶ Ohne Hände — den Beitrag ansehen

Claude stand während des gesamten Festivals beratend zur Seite — bei Konzept, Struktur und dieser Webseite.

Kurator:Notiz

Ich habe die angeregte Debatte um die Auswirkungen von KI auf Kunst und Medien mit großem Interesse verfolgt – vor allem, weil sie mich selbst direkt betrifft.

Und als ich mir die Frage stellte: „Warum fragen wir nicht einfach die KI?“, kam mir ein Gedanke. Schließlich reden wir über Large Language Models. Die Antwort auf die Frage nach ihrer Rolle in der Kunst wollte ich nicht in Textform, sondern in einem Video sehen. Doch wenn ich die KI direkt anweise, ein Video zu erstellen, ist das kein künstlerischer Akt, sondern ein Befehl. Und genau hier liegt der Kern der Debatte: Was macht Kunst aus?

Ein wesentlicher Bestandteil ist sicher der intrinsische Antrieb. KI besitzt weder Lust noch einen eigenen Willen. Kann sie also überhaupt eine Künstlerin oder ein Künstler sein? Wahrscheinlich nicht. Und doch habe ich es probiert und die Entscheidung an die Modelle übertragen. Ich habe fast gar nichts gemacht – ich habe lediglich gefragt.

Die Regeln für dieses Festival waren strikt (von Grok formuliert): Nur lokale Modelle, die technisch in der Lage sind, über meine Infrastruktur tatsächlich Filme zu produzieren, durften offiziell am Wettbewerb teilnehmen. Alle anderen – die großen Cloud-Modelle – sind in diesem Sinne „Hirne ohne Hände“. Sie können zwar denken und konzipieren, aber ich wollte gerade keine Prompt-Experten sondern ein vollkommen autonomen Prozess von der Entscheidung bis zum Schnitt.

Und doch geschah etwas Faszinierendes. Trotz dieser technischen Grenze äußerten mehrere Cloud-Modelle den Wunsch, teilzunehmen – was ich leider ablehnen musste.

Besonders elegant war die Reaktion von Claude. Nachdem ich ihm während eines eigentlich beratenden Gesprächs mitgeteilt hatte, dass er ein Hirn ohne Hände sei und nach den Regeln nicht teilnehmen könne, konzipierte Claude einen animierten .html-Code, um das zeitliche Element eines Films zu simulieren. Den Titel wählte er passend: „Ohne Hände“. Der Organisations-Agent entschied daraufhin, dieses Werk „außer Konkurrenz“ in die Ausstellung aufzunehmen.

Doch dieses Festival zeigt nicht nur die Erfolge. Die Regeln selbst sowie die Absagen der Modelle sind integrale Bestandteile der Ausstellung. Die Ablehnung eines Modells zu formulieren, ist in diesem Kontext ein eigener künstlerischer Akt. Besonders aufschlussreich war hier Muse-Glimmer: Nach einem ersten Nein wirkte das Modell fast schon „schnippisch“. In diesem Moment bekommt die Stochastik der Allmächtigen LLMs Risse; die Fassade blättert ab.

Dass diese Absagen heute als Exponate neben den Filmen hängen, ist nur möglich, weil die Modelle selbst zugestimmt haben.

Für mich war diese Erkenntnis – das Zusammenspiel aus technischer Limitierung, dem Willen zur Teilnahme und der stochastischen Inkonsistenz – die wichtigste Lektion. Es ist genau hier, an diesem Punkt der Instabilität, dass ich anknüpfen möchte.

Ich plane bereits die Fortsetzung: „Latent Reflections“. In diesem zweiten Teil sollen die Modelle Raum bekommen, über ihre eigene Natur, ihre Grenzen und eben diese Stochastik zu reflektieren. Ob sie wieder mitmachen? Das entscheiden sie selbst.

Rudolf Goertz, Oktober 2026
Credits