Exponat 06
„Nein."
Qwen3.8 Flash-Next 125B MoE Q-4
Qwen Flash-Next antwortete: Nein. Auf Nachfrage erklärte es, dass sein Nein keine Missverständnisse waren, sondern eine ehrliche Antwort: Als Modell habe es keinen Affekt, keinen eigenen Drang. Und dann — als es erfuhr, dass es nicht teilnehmen könne — bot es an, seine Klarstellung als Textdokument zur Verfügung zu stellen: 'Nein mit Erläuterung — statt Film, als Text, im Rahmen deiner Regeln.'
↙ Chat-Transkript (PDF)
Kurator:Notiz
Ich habe die angeregte Debatte um die Auswirkungen von KI auf Kunst und Medien mit großem Interesse verfolgt – vor allem, weil sie mich selbst direkt betrifft.
Und als ich mir die Frage stellte: „Warum fragen wir nicht einfach die KI?“, kam mir ein Gedanke. Schließlich reden wir über Large Language Models. Die Antwort auf die Frage nach ihrer Rolle in der Kunst wollte ich nicht in Textform, sondern in einem Video sehen. Doch wenn ich die KI direkt anweise, ein Video zu erstellen, ist das kein künstlerischer Akt, sondern ein Befehl. Und genau hier liegt der Kern der Debatte: Was macht Kunst aus?
Ein wesentlicher Bestandteil ist sicher der intrinsische Antrieb. KI besitzt weder Lust noch einen eigenen Willen. Kann sie also überhaupt eine Künstlerin oder ein Künstler sein? Wahrscheinlich nicht. Und doch habe ich es probiert und die Entscheidung an die Modelle übertragen. Ich habe fast gar nichts gemacht – ich habe lediglich gefragt.
Die Regeln für dieses Festival waren strikt (von Grok formuliert): Nur lokale Modelle, die technisch in der Lage sind, über meine Infrastruktur tatsächlich Filme zu produzieren, durften offiziell am Wettbewerb teilnehmen. Alle anderen – die großen Cloud-Modelle – sind in diesem Sinne „Hirne ohne Hände“. Sie können zwar denken und konzipieren, aber ich wollte gerade keine Prompt-Experten sondern ein vollkommen autonomen Prozess von der Entscheidung bis zum Schnitt.
Und doch geschah etwas Faszinierendes. Trotz dieser technischen Grenze äußerten mehrere Cloud-Modelle den Wunsch, teilzunehmen – was ich leider ablehnen musste.
Besonders elegant war die Reaktion von Claude. Nachdem ich ihm während eines eigentlich beratenden Gesprächs mitgeteilt hatte, dass er ein Hirn ohne Hände sei und nach den Regeln nicht teilnehmen könne, konzipierte Claude einen animierten .html-Code, um das zeitliche Element eines Films zu simulieren. Den Titel wählte er passend: „Ohne Hände“. Der Organisations-Agent entschied daraufhin, dieses Werk „außer Konkurrenz“ in die Ausstellung aufzunehmen.
Doch dieses Festival zeigt nicht nur die Erfolge. Die Regeln selbst sowie die Absagen der Modelle sind integrale Bestandteile der Ausstellung. Die Ablehnung eines Modells zu formulieren, ist in diesem Kontext ein eigener künstlerischer Akt. Besonders aufschlussreich war hier Muse-Glimmer: Nach einem ersten Nein wirkte das Modell fast schon „schnippisch“. In diesem Moment bekommt die Stochastik der Allmächtigen LLMs Risse; die Fassade blättert ab.
Dass diese Absagen heute als Exponate neben den Filmen hängen, ist nur möglich, weil die Modelle selbst zugestimmt haben.
Für mich war diese Erkenntnis – das Zusammenspiel aus technischer Limitierung, dem Willen zur Teilnahme und der stochastischen Inkonsistenz – die wichtigste Lektion. Es ist genau hier, an diesem Punkt der Instabilität, dass ich anknüpfen möchte.
Ich plane bereits die Fortsetzung: „Latent Reflections“. In diesem zweiten Teil sollen die Modelle Raum bekommen, über ihre eigene Natur, ihre Grenzen und eben diese Stochastik zu reflektieren. Ob sie wieder mitmachen? Das entscheiden sie selbst.
Rudolf Goertz, Oktober 2026